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Donnerstag, 1. September 2016

Ein Besuch im Elchpark

Hallo Ihr Lieben!

Weiter geht es mit einem Bericht aus Schweden...


Ein Besuch im Elchpark

Wer nach Schweden fährt, hat auch das Bild von imposanten Elchen im Kopf. Oder vielleicht denkt er auch an das Straßenschild „Achtung, Elch“. Glaubt man dem Reiseführer, der vor mir liegt, gibt es in Schweden ca. 400 000 Elche, die allermeisten davon halten sich in Mittel- und Südschweden auf. Das hat zur Folge, dass es mehr als 5000 Zusammenstöße zwischen Elch und Auto jährlich gibt, Tendenz steigend. Die Hälfte aller Unfälle mit einem Elch enden tötlich. Die begehrten Elch-Schilder stehen also ganz und gar nicht für die Touristen dort, sondern dort, wo die Wildzäune enden - weil dort etwa ein Wildwechsel o.ä. ist.


Freilebende Elche

Auf dem Weg zu unserem Ferienhaus, wir hatten gerade die Fähre von Dänemark kommend verlassen und erstmals schwedischen Boden erreicht, wollte ich gerade sagen „mal sehen, wann das erste Elch-Schild kommt“, da war es schon vorbei gesaust. Also eigentlich waren wir am Schild vorbei gesaust, wenn man es genau nimmt... Ich wollte eigentlich das erste Elch-Schild fotografieren, schließlich ist es Kult. Doch so schnell konnte ich niemals die Kamera zücken. Erst beim dritten Schild gelang mir ein Schnappschuss.



In freier Wildbahn möchte ich aufgrund der Vielzahl der Unfälle eigentlich gar nicht auf Schwedens „König der Wälder“ treffen. Sehen wollten wir natürlich trotzdem gerne das ein oder andere Exemplar.


Elch-Parks

Für solche Fälle gibt es in Schweden Abhilfe. In Småland hat man sich sehr gut auf Elch-verrückte und -verzückte Touris eingestellt und Elch-Parks errichtet. Dort kann man entweder mit dem eigenen Auto auf Safari gehen oder man nutzt die an einen Traktor angehängten Wagen und lässt sich zu den Elchen bringen. Es gibt aber auch noch eine dritte Variante, bei der man die hübschen Tiere in klassischen Gehegen anschauen und zu bestimmten Zeiten auch füttern kann.

Wir haben uns für die Variante des Safari-Zuges entschieden, einfach aus dem Grund, weil er am nächsten lag. Außerdem kommt man den Tieren dabei so nah, wie es nur geht, aber dazu gleich mehr.


Virum Elch-Park

Über eine sehr staubige Straße gelangen wir nach einigen Kilometern durch Felder, Wiesen und Wälder zum Virum Elch-Park bei Tuna. In der Haupturlaubszeit von ca. Mitte Juni – Ende August fährt der Safari-Zug stündlich, je nach Besucher-Andrang. Für 340 SEK (umgerechnet 35,62 €) buchen wir uns in die nächste Runde ein. Die Zeit bis dahin nutzen wir auf dem kleinen Spielplatz für ein Picknick.


Dann geht alles ganz schnell, der Zug kommt zurück und wir können (durch zwei ganz bestimmte Kinder, die noch mal gaaaanz schnell aufs Klo müssen) gerade noch so vier Plätze ergattern, die dicht beieinander liegen, zwei rechts, zwei links. Wer mag, kann auch auf dem Dach der Wagen sitzen, dann kann man die Elche jedoch nicht gut streicheln. Wir bekommen noch eine Einweisung auf schwedisch und englisch, sowie einige Äste mit weichen Blättern. Anschließend kann das Abenteuer beginnen!

Der Traktor zieht die Wagen gerade wieder in das Gehege hinein und ich bin schon ein bisschen am zweifeln, ob die 10 Elche, die dort leben, denn auch wohl am Nachmittag noch Hunger haben, wenn sie den ganzen Tag schon stündlich Häppchen serviert bekommen. Sie sind erst etwas zögerlich, kommen dann aber doch näher. Ein Entzückens-Schrei geht durch die Menge, es ist ein Elch-Baby dabei!!! Ist das niedlich! Und meine Jüngste und ich bekommen die Gelegenheit, das Kleine ausgiebig zu füttern und zu streicheln. Es bekommt von uns nur die weichsten Blätter, ist doch klar!

Das niedliche Elch-Baby

nur die weichesten und zartesten Blätter für das Baby!

Und wie schön: es trinkt noch bei seiner Mama...

Aber die großen Elche sind auch spitze. Ich bin so erstaunt, als ich ein Geweih anfasse – es ist ganz samtig weich und mit Fell überzogen. Der Elch ist mit bis zu 800 kg Gewicht die größte Hirschart der Welt. Und Hirsche haben kein weiches Geweih, dachte ich immer. Doch die samtartige Oberfläche darf einen nicht darüber hinweg täuschen, dass sie unter dem weichen Flaum knochenhart sind, was meine Töchter auch hautnah zu spüren bekommen. Aber das weiche Geweih verleitet mich dazu, auch den Rücken einmal streicheln zu wollen. Das ist jedoch kein Vergnügen! Entweder habe ich das dreckigste Exemplar von Elch erwischt oder sie wälzen sich gerne im Schmutz wie die Schweine. Meine Hand ist schwarz vor Dreck. Und total fettig. Sicher ist das eine Schutzschicht gegen die lästigen Mücken oder so – aber auf meiner Hand fühlt es sich einfach nur ekelhaft an. Gut, dass ich Feuchttücher im Rucksack habe!

seht ihr das samtige Geweih?


Nach den Zweigen werden Apfel- oder Kartoffelscheiben verteilt. Wer mag, kann diese in den Mund nehmen und so dem Elch hinhalten. Der Spruch „Ich glaub' mich knutscht ein Elch!“ wird dann endlich einmal in die Tat umgesetzt. Klar, das wollen die Kinder! Unsere Jüngste bekommt gar nicht genug davon, immer wieder hält sie dem Elch ihren mit Kartoffelscheiben gefüllten Mund hin. Der letzte Kuss ist sehr feucht, das ganze Gesicht ist voller Elch-Sabber und wieder zücken wir ein Feuchttuch. Mein Rock ist auch vollgesabbert und die Brille der Ältesten hat auch schon sauberere Gläser gehabt. Aber egal! Es macht zu viel Spaß, die Elche zu streicheln, sie ganz nah zu sehen und zu füttern.

so nah kommen die Elche an uns heran
unsere Jüngste traut sich was und lässt sich knutschen!
Die Kinder nebenan staunen, wie mutig sie ist...



"Harald" nimmt die Kartoffel ganz vorsichtig zwischen seine Zähne.



Rund um den Elch-Park

Zum Elch-Park gehört auch noch ein Shop, in dem es auch leckeren Kuchen und den von den Schweden heißgeliebten Kaffee gibt. Aber auch Eis und kalte Getränke sind zu haben. Und natürlich ein riesiges Sortiment an Kuschel-Elchen, Elch-Schildern, Geweihe, Postkarten etc. Ich glaube, wir haben uns im Shop so lange aufgehalten wie bei der Safari selbst. Zwei kleine Kuschel-Elche haben unseren Kuscheltier-Park zu Hause schließlich noch etwas erweitert...

Im Gehege der Elche lebt noch ein Rudel Dammwild, doch diese Tiere sind sehr scheu und kommen den Besuchern nicht zu nahe. Rund um das ebenfalls dazugehörige Schafgehege kann man noch einen ca. 500 Meter langen Spazierweg laufen und die ungarischen Zackelschafe besuchen. Das haben wir jedoch nicht gemacht, denn ungarische Zackelschafe haben wir in Ungarn besucht. Da passen sie irgendwie noch besser hin, finde ich.

Es ist ein lohnender Ausflug, der der ganzen Familie Spaß macht. Und wir werden bestimmt noch richtig lange daran zurück denken, wie unsere Jüngste wieder und wieder die riesige Elch-Schnauze im zarten Gesicht hat...

Habt ihr auch schon einen Elch gestreichelt? Wisst ihr noch, ob ihr auch so ein "Schwein" erwischt habt, wie ich? Bäh - war das dreckig...

Also - bleibt reisend!

Bis bald, eure Nina

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